Mein zweiter Halbmarathon

Mein zweiter Halbmarathon ... und mein erster Halbmarathon mit meiner Schwester. Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah. Wir haben es in 02:19:59 ge...

Mein zweiter Halbmarthon
Mein zweiter Halbmarathon
... und mein erster Halbmarathon mit meiner Schwester.
Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah. Wir haben es in 02:19:59 geschafft. Und es war schon sehr viel cooler, als mein erster Halbmarathon. Das hatte verschiedene Gründe:


Ich wusste, dass ich es schaffe
Letztes Jahr hatte ich einfach Schiss, dass ich es nicht schaffe. Aber diesmal bin ich mit dem Bewusstsein rangegangen, dass es klappen sollte, wenn ich mich wieder gut vorbereite.
Ich habe mir also Anfang Januar wieder mit myasics einen Trainingsplan mit 3 Läufen pro Woche erstellt. Diesen habe ich zu 100% befolgt. Ich habe keinen einzigen Lauf geschwänzt, war nicht krank und bin auch in Melbourne meine geplanten Läufe gelaufen. Dort bin ich dann mit Philipp (meinem australischer Mitbewohner) meinen schnellsten 10 km Lauf aller Zeiten gelaufen.

Schnellster 10 km Lauf aller Zeiten
Schnellster 10 km Lauf aller Zeiten
Und das mit Jetlag und bei 17 Grad. Aber es war sau cool. Philipp ist auf dem Rückweg immer ein Stück vor mir gelaufen und wenn er zu weit weg war, hat er "gewartet", weil sonst wäre ich auch irgendwann so gewesen: "Fick dich, ich lauf ohne dich mit Pace 8:45 oder so". Ach das war echt cool.
Ich habe aber auch diesmal in der Vorbereitung wieder festgestellt, dass ich einfach alleine nicht wirklich schnell laufen kann. Irgendwie kriege ich das nicht hin. Seit Dezember bin ich im Fitnessstudio angemeldet und konnte deshalb die Trainingsläufe Anfang des Jahres auf dem Laufband machen. Auf dem Laufband kann ich das Tempo einstellen und auch nach Plan durchziehen. Draußen in der Natur kriege ich das einfach nicht hin, ohne dass mich jemand "zieht" oder den Pacemaker spielt.
Ansonsten hatte sich im Vergleich zum letzten Jahr auf den ersten Blick nicht viel verändert.
In dem Trainingsplan von myasics musste ich vor dem Halbmarathon zweimal 17 km laufen. Das habe ich draußen gemacht und auch um einiges langsamer, als der Trainingsplan das vorgesehen hat (aus den oben genannten Gründen). Ich habe dann den 17 km Lauf mit dem aus dem letzten Jahr vergleichen und der Pace war im Durchschnitt um 18 s schneller, aber was sich tatsächlich verändert hat, war der Pulsbereich in dem ich laufe.

17 km Lauf 2016 Pace 7:42 HF 172
17 km Lauf 2016 Pace 7:42 HF 172 bpm

Durchschnittliche Herzfrequenz 172
2016 durchschnittliche Herzfrequenz 172

17 km Lauf 2017 Pace 7:24 HF 158 bpm
17 km Lauf 2017 Pace 7:24 HF 158 bpm

Durchschnittliche Herzfrequenz 158 bpm
2017 durchschnittliche Herzfrequenz 158 bpm


Ich wusste, was auf mich zukommt
Ich wusste, wie das abläuft mit der Abgabe der Beutel. Ich wusste, dass man, wenn man in der 3. Welle startet, noch genug Zeit hat, wenn man sich nach 10 Uhr am Dixi Klo anstellt. Ich wusste, dass wenn man sich in der Startblock stellt, dass es noch ewig dauert bis man startet. Mir war diesmal klar, wo ich langlaufe. Ich wusste, wo die 4 Trinkstellen sind. Ich wusste, dass ich an jeder Trinkstellen einen Zitronentee und ein Wasser möchte. Dass ich zuerst den Tee trinke und dann das Wasser. Ich wusste, dass ich beim Halbmarathon sehr wahrscheinlich nicht geschubst werde, weil genug Platz ist. Ich wusste, dass ich sehr viele Menschen überholen werde und nicht der langsamste Läufer auf der ganzen Welt bin.

Ich habe in der Nacht davor ziemlich gut geschlafen
Letztes Jahr habe ich ziemlich beschissen geschlafen in der Nacht davor. Was vielleicht daran lag, dass ich die ganzen oben genannten Dinge nicht wusste und mir deswegen mal wieder einfach viel zu viele Gedanken gemacht habe. Dieses Mal habe ich Samstagabend ein Bier getrunken und habe wunderbar geschlafen. Natürlich bin ich auch mal aufgewacht, aber dann bin ich brav wieder eingeschlafen. 

Meine Schwester war dabei

Meine Schwester und ich beim Startnummer abholen
Meine Schwester und ich beim Startnummer abholen
Uta und ich hatten zuvor genau einen gemeinsamen gemütlich Lauf an Weihnachten, aber uns war klar, dass wir den Halbmarathon zusammen laufen.
Dazu muss ich sagen, dass meine Schwester und ich sportlich gesehen sehr unterschiedlich sind. Uta hatte schon immer Spaß an Sport: Skifahren, Laufen, Reiten, Radfahren, Cheerleading, HipHop Tanzen, Fitnessstudio, ... ich weiß gar nicht, welche Sportart sie eigentlich nicht gut findet. Wahrscheinlich die ganzen Ballsportarten? Und ich bin ja eher so der Typ "Ich finde Sport scheiße, aber irgendwas muss man ja machen". Deswegen war meine Schwester als sie etwas später als ich mit dem Laufen anfing, auch im Nullkommanichts auf dem gleichen Niveau wie ich. Oder sogar besser. Und ich hatte halt so ein Jahr dafür gebraucht, um auf das Tempo bzw. die Distanzen zu kommen. Aber so ist das nunmal, es wird immer Menschen geben, die schneller sind als ich oder die schneller als ich auf dem gleichen Trainingslevel sind. Dafür hat meine Schwester aber ihr Leben lang viel Sport gemacht. Und ich seit 3 Jahren.
Da ich aber letztes Jahr schon den Halbmarathon gelaufen bin und es für sie der erste Halbmarathon war, dachten wir uns, dass das zusammen machbar ist. Wir hatten zuvor abgemacht, dass wenn eine von uns zwischendurch abkackt, dass die andere dann weiterläuft, aber grundsätzlich wollten wir zusammen laufen.
Das Training haben wir getrennt voneinander absolviert, da wir 600 km voneinander entfernt wohnen. Dazu muss ich sagen, dass meine Schwester 2 Kinder hat und nicht einfach so trainieren kann, wann sie das möchte, sondern das sehr viel mehr vorab Planung fordert als bei mir. Da ist nicht die Frage "Habe ich heute Bock zu laufen oder soll ich es lieber auf morgen verschieben?", sondern es gibt einfach nur 3 Tage die Woche, wo dies überhaupt möglich ist. Egal ob man Lust hat oder nicht. Anfang März war sie dann auch noch krank und konnte deshalb gar nicht trainieren. Dass meine Schwester den Halbmarathon nicht schafft, habe ich nie angezweifelt, weil sie ein Tier ist.

Der Halbmarathon
Gefrühstückt haben wir um halb 7 Uhr ein Marmeladenbrot. Wir frühstücken eigentlich beide nicht, aber haben uns das Marmeladenbrot einverleibt und uns dann wieder aufs Sofa gelegt.
Halbmarathonfrühstück: Marmeladenbrot
Halbmarathonfrühstück: Marmeladenbrot
Gegen halb 9 Uhr sind wir gemütlich zum Straußberger Platz geradelt und haben uns da mit Hendrik und Suse getroffen.

Mit dem Rad zum Halbmarathon
Mit dem Rad zum Halbmarathon
Ich, Hendrik, Uta und Suse
Ich, Hendrik, Uta und Suse

Hendrik ist schon in der 2. Welle gestartet und wir sind etwas später um ca. 10:45 Uhr gestartet. Meine Schwester und ich hatten als grobe Orientierung einen Pace von 6:38 im Kopf. Das heißt, wenn wir jetzt plötzlich die ersten Kilometer einen Pace von 5:30 (haha!) gelaufen wären, hätten wir gewusst, wir sind zu schnell unterwegs. Unerwarteter Weise konnten wir auch sehr gut mit Suse mithalten und sind immer knapp hinter ihr gelaufen. Sie war also auf den ersten 10 km unser Pacemaker und ist auch konstant um die 6:30 gelaufen. Das hat mir sehr gut gefallen. An der ersten Trinkstation haben wir uns genügend Zeit gelassen, wie es auch abgemacht war. Wir alle hatten nicht geübt, wie man während des Laufens trinkt und deshalb war uns klar, dass wir uns die Zeit nehmen in Ruhe zu trinken. Wie ihr seht, waren wir in den "Trinkkilometern" immer ca. 20 s langsamer. Und das ist es meiner Ansicht nach absolut Wert.

Zwischenzeiten Halbmarathon (gelb: Kilometer mit Trinkpausen)
Zwischenzeiten Halbmarathon (gelb: Kilometer mit Trinkpausen)
Leider ist uns Suse ab Kilometer 11 verloren gegangen. Sie war auf einmal hinter uns und der Abstand wurde immer größer (keine Sorge, sie kam kurz nach uns ins Ziel und hat es auch geschafft). Jetzt hatte ich also nur noch meine Schwester neben mir, die dann auf Höhe des KaDeWe auf einmal einen 6:23 Pace hinlegte. Ich dachte mir immer "Sag ich jetzt, dass es mir zu schnell ist oder halte ich meine Fresse?", weil ich wusste, sobald ich etwas sage, bremse ich sie aus und wir laufen dann auch langsamer. Aber bei 6:23 Pace habe ich dann gesagt, dass das jetzt etwas übertrieben sei. Was uns aber nicht daran gehindert hat bei Kilometer 18 genau so schnell zu laufen. Meine Schwester ist einfach an allen Leuten vorbeigeflitzt und ich musste dann hinterher. Ich bin mir sehr sicher, dass wenn sie nicht dabei gewesen wäre, hätte ich mich einfach irgendwo eingereiht und wäre definitiv langsamer gelaufen. Jedenfalls palavert mich meine Schwester am Check Point Charlie (KM 18) noch fröhlich voll: "Wie hoch ist denn jetzt eigentlich dein Puls so?". Mein Puls war definitiv so hoch, dass ich mich nicht mehr nett unterhalten konnte. Das habe ich dann auch entsprechend kommuniziert.
Und dann waren wir endlich am Alexa und das war sooooo schön.

Kurz vor dem Ziel am Alexa
Kurz vor dem Ziel am Alexa
Das ist wirklich das allercoolste, wenn man fast am Ziel ist und da Freunde stehen, die extra für dich zum Anfeuern gekommen sind. Um ehrlich zu sein, war ich auch zwischendurch schon etwas emotional, weil ich  mich darauf so gefreut habe. Danke dafür an Pascal, Heike, Andreas, Angie, Pia, Ronja, Marcus, Mareike, Jürgen (auch wenn wir uns knapp verpasst haben) und Suses Eltern (die sogar mit dem Rad die Strecke entlang gefahren sind und an mehren Punkten angefeuert haben).

Und jetzt?

Nach dem Halbmarathon
Nach dem Halbmarathon

Nein, ich werde keinen Marathon laufen.

Nein, ich hatte auch diesmal keine Zielzeit und war mir aber bewusst, dass ich schneller sein kann als letztes Jahr. Es wäre aber auch nicht schlimm gewesen, wäre es nicht so gewesen. Das Ziel war immer es gemeinsam mit meiner Schwester zu schaffen.

Nein, ich werde nicht mit dem Laufen aufhören, aber in den kommenden Wochen werde ich den Fokus mehr auf Kraftsport legen. Und ich versuche mich an einen Ernährungsplan zu halten, um zu schauen, was noch so möglich ist. Ich werde weiterhin viel Sport machen, um zu vermeiden wieder Gewicht zu zunehmen. (siehe Vorher-Nacher-Fetti-Bild)

Ja, ich kann mir vorstellen auch einen dritten Halbmarathon zu laufen.

Und ja, auch diesmal denke ich, dass ich noch etwas schneller sein könnte. Aber viel Luft nach oben ist bei mir nicht mehr. Und muss auch gar nicht sein. Ein Pace von 6:30 ist für mich schon eine echt starke Leistung.

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